In vielen IT-Abteilungen wird seit geraumer Zeit im Kontext der Microsoft-Infrastruktur über ein Thema diskutiert: Microsoft Cloud-Dienste - Ja oder Nein? Und wenn Ja, in welchem Umfang und mit welchen Produkten? Und was wird dann aus der lokalen Infrastrukur - und den lokalen Daten? Treffe ich zur Beratung oder Umsetzung im Unternehmen auf die verantwortlichen Personen, mehren sich - neben den rein technischen Fragestellungen - auch Nachfragen zu konzeptionellen Aspekten des geplanten Vorgehens. Dabei spielt es häufig eine untergeordnete Rolle, ob eine vollumfängliche Lösung - die Umstellung aller maßgeblichen lokalen Dienste - angestrebt wird, oder ob einzelne Produktsparten, wie Microsoft Exchange oder Microsoft SharePoint, für den Cloudeinsatz vorbereitet werden sollen...

Aber fangen wir vorne an: am Anfang steht die Microsoft Business Productivity Online Suite (BPOS), die seit 2009 für kleine und mittelständische Unternehmen im Microsoft-Produktportfolio zu finden ist. Dabei handelt es sich um eine internetbasierte Bereitstellung etablierter Schnittstellen, die im Umfeld der Microsoft Online Services angeboten werden. Im Paket finden sich neben Microsoft ForeFront und Microsoft Office Live Meeting auch die Produkte Exchange Online, SharePoint Online und Office Communications Online. Zur Zielgruppe gehören seinerzeit gerade die 'klassischen' Kunden, welche bereits Microsoft-Schnittstellen, wie Microsoft Exchange Server oder Microsoft SharePoint, auf eigenen Systemen betreiben und nun wahlweise ergänzend oder vollständig ablösend die entsprechenden Online-Schnittstellen nutzen möchten.

Mit der Veröffentlichung von Office 365 im Juni 2011 stellt Microsoft unter dem Slogan ‚bring together‘ offiziell das Nachfolgeprodukt der BPOS vor. Damit einhergehend, einerseits ein Produktupdate der bereits im BPOS enthaltenen Online-Dienste auf der Basis von Exchange Server 2007 und SharePoint Server 2007 zur Version 2010. Andrerseits eine Erweiterung des Produktportfolios um weitere Onlinedienste, wie Lync Online (später: Skype for Business Online), und die Bereitstellung der bekannten Microsoft Office Produkte im Paket Microsoft Office Professional.

Dem Kunden steht in Folge mit Office 365 ein Abonnement-Dienst zu Verfügung, der einer ‚always-up-to-date cloud service‘ Mentalität folgt. Seit dem Start von Office 365 wurden die im Hintergrund laufenden Onlinedienste stets auf die aktuelle Produktversion aktualisiert. Mit dem Erscheinen einer neuen Office-Produktfamilie steht diese auch zeitnah im Office 365 zur Verfügung.

Dabei gilt zunehmend jedoch der Faktor ‚cloud first‘: Entspricht in den Anfangsjahren das Dienst- und Anwendungsportfolio von Office 365 noch weitestgehend deckungsgleich den parallel erscheinenden Installationsprodukten, wie Exchange Server, SharePoint Server und Microsoft Office, ändert sich dieses Verhalten in kurzer Folge spürbar. Aktualisierungen der einzelnen Schnittstellen werden nun maßgeblich online vorangetrieben. Zeitverzögert, wenn überhaupt, halten diese Modernisierungen und Erweiterungen anschließend auch Einzug in die jeweiligen Produkte zur Installation in der eigenen Infrastruktur.

Im März 2020 gibt Microsoft bekannt [hier], dass zum 21. April 2020 die mittlerweile in einer Vielzahl von Kombinationen verfügbaren Abonnements für Endkunden und Unternehmen im neuen Produktnamen Microsoft 365 zusammenlaufen. Der Begriff Office 365 bleibt fortan nur wenigen Bereich und Abonnements erhalten.